La Rochelle entdeckt Vincent Pluss und den Neuen Schweizer Film

14.06.2004

Dem Werk des 35-jährigen Genfer Regisseurs Vincent Pluss, der mit seinem Spielfilmdebüt «On dirait le Sud» 2003 den Schweizer Filmpreis gewonnen hat, ist am 32. internationalen Filmfestival in La Rochelle (25. Juni – 5. Juli 2004) eine Spezialreihe gewidmet. Unter dem Titel «Vincent Pluss und der Neue Schweizer Film» umfasst sie Filme von drei weiteren Westschweizer Regisseur/innen seiner Generation: Ursula Meier, Jean-Stéphane Bron und Pierre-Yves Borgeaud. Ebenfalls in La Rochelle gezeigt wird der Film «Au sud des nuages» von Jean-François Amiguet. Im Rahmen des in Zusammenarbeit mit SWISS FILMS organisierten Programms findet am 1. Juli eine Diskussionsrunde in Anwesenheit aller Regisseur/innen statt.
Neben dem langen Spielfilm «On dirait le Sud» (2002) werden von Vincent Pluss die Kurzfilme «L’heure du loup» (1996), «Tout est bien» (2000) und «XY» (2001) sowie die Tanzfilme «The Mœbius Strip» (2002) und «The Greenhouse Infect» (2003) vorgestellt. Ursula Meier präsentiert in La Rochelle die beiden Kurzfilme «Des heures sans sommeil» (1998) und «Tous à table» (2001) sowie den Dokumentarfilm «Autour de Pinget» (2000) und den im Rahmen einer ARTE-Serie entstandene Spielfilm «Des épaules solides» (2002). Von Jean-Stéphane Bron wird «Mais im Bundeshuus» (2003), von Pierre-Yves Borgeaud der choreografische Kurzfilm «Interface – cartographies» (2003) und der letztes Jahr in Locarno mit dem Goldenen Leoparden des Videowettbewerbs ausgezeichnete «iXième, journal d’un prisonnier» (2003) gezeigt.

In der vom Schweizer Filmkritiker Thierry Jobin (Le Temps) verfassten Einleitung zur Reihe im Festivalkatalog wird neben seinen Filmen auch das politische Engagement von Vincent Pluss gewürdigt, welcher mit der «Dögmeli»-Bewegung in den Jahren 2000/01 den Anliegen der jungen Filmschaffenden in der Romandie Gehör verschaffte. In La Rochelle wird deshalb auch der Film «XY» vorgeführt, welcher einer der Beiträge des Genfer Autors «zur cineastischen Vermehrung» darstellte, mit welchem die Dögmeli-Autor/innen die einengenden Regeln der eidgenössischen Filmförderung ad absurdum führen wollten. Die Fragen des wiedergefundenen Selbstbewusstseins der Westschweizer Filmer/innen und des Entstehens eines «Neuen Schweizer Films» werden zu den Themen gehören, welche an der Diskussionsrunde am 1. Juli aufgeworfen werden.

Die grosse Aufmerksamkeit, welche das Filmfestival in La Rochelle auf die Filme der jungen Westschweizer Regisseur/innen lenkt, lässt sich bereits darin ermessen, dass zwei der gezeigten Filme – «On dirait le Sud» von Vincent Pluss (Héliotrope Films) und «Des épaules solides» von Ursula Meier (Les Films du Paradoxe) – im Vorfeld einen französischen Kinoverleih gefunden haben. «Mais im Bundeshuus» von Jean-Stéphane Bron, welcher nach seiner französischen Premiere am Festival «Cinéma du réel» im März in Paris und unmittelbar nach La Rochelle Anfang Juli am Festival «Paris Cinéma» gezeigt wird, verfügt nun ebenfalls über einen Verleih in Frankreich (Documentaire sur Grand Ecran).

Zürich, 14. Juni 2004
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