Talking to… JONAS MEIER

Der Filmemacher über den Mut zu Mehrdeutigkeiten zuzulassen

03.03.2026

Jonas Meier präsentiert die Internationale Premiere von SOCIAL LANDSCAPES am CPH:DOX in Kopenhagen in der Sektion Next:Wave. Der Film macht sich auf eine virtuelle Reise um die Welt und setzt sich ausschliesslich aus Online-Reviews zusammen.

Was waren deine wichtigsten formalen Entscheidungen während der Arbeit an SOCIAL LANDSCAPE?

Die Musik von Stefan Rusconi und Tobias Preisig (Levitation) war von Beginn an ein wesentlicher Einfluss auf meine formalen Entscheidungen. Gleichzeitig habe ich bewusst nach einer Arbeitsweise gesucht, die es mir erlaubt, mit sehr einfachen Mitteln intuitiv und spontan zu agieren. Letztlich entstanden – sprichwörtlich – beinahe alle Bilder aus meinem kleinen Rucksack heraus.

Ein weiteres Kriterium war, im Einklang mit der Musik einen schwebenden Zustand zu erzeugen, in dem sich die Zuschauer ihre eigene Deutung der vielschichtigen Reviews im Film erschliessen können.

Wie bist du beim Auswählen der Kommentare vorgegangen und was waren dabei deine Leitlinien?

Ich liebe Kontraste – Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen und vielleicht gerade deshalb einen «heimichen» Einklang finden. Ebenso faszinieren mich Elemente, die wie die Faust aufs Auge passen oder bewusst das Gegenteil von dem ausdrücken, was ich vorgefunden habe. Es war stets meine Intention, ein möglichst breit gefächertes Interpretationsfeld zu eröffnen, um gerade dadurch etwas über das allgemeine Befinden der Review-Verfasser sichtbar zu machen.

Die langsamen, sorgfältig konstruierten Bilder stehen im Kontrast zur Gewalt und zum Zynismus einiger Kommentare. Welche Haltung sollen die Betrachter:innen angesichts dieser Spannung einnehmen?

Das ist jedem selbst überlassen. Ich kann und möchte keine Anleitung geben, wie die Zuschauer:innen meinen Film zu lesen haben. Vielmehr geht es mir darum, einen möglichst offenen und individuellen Zugang zu ermöglichen – und keinesfalls darum, dem Publikum eine bestimmte Haltung einzuflössen. Mit einer solchen Intention wäre ich rasch in die Rolle eines Lehrers geraten und hätte damit die angestrebte Stimmung und das Klima des Films untergraben. Mir ist durchaus bewusst, dass viele Zuschauer klarere Antworten suchen. Doch diese werden sie an anderer Stelle finden müssen.

Der Film hinterfragt eine Form des Massentourismus, der sich oft gleichgültig gegenüber den Menschen und Orte zeigt. Ist dies eine Beobachtung, eine Kritik oder auch eine persönliche Befürchtung?

Die Antwort auf diese Frage möchte ich gerne dem Publikum überlassen.

Newsletter